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Suchtvorbeugung in der Schule

Suchtvorbeugung in der Schule ist als Teil des pädagogischen Auftrages der Schule insgesamt zu verstehen und gehört zum Bereich der Gesundheitserziehung.
Einige Zahlen, die die Notwendigkeit des Themas verdeutlichen:

Tabak
-  In Deutschland starben im Jahr 2013 121.000 Menschen an den Folgen rauchbedingter Erkrankungen. Das waren 13,5% aller Todesfälle.
Alkohol
- 74.000 Menschen  starben an den Folgen des Alkoholkonsums (direkt durch Alkoholmissbrauch oder indirekt z. B. durch
  Unfälle in Verbindung mit Alkohol).
- 23.267 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 10 und 19 Jahren wurden 2013 aufgrund eines akuten Alkoholmissbrauchs stationär behandelt.
Medikamente
- Schätzungsweise 1,4 – 1,5 Millionen Menschen sind abhängig von Medikamenten mit Suchtpotential.
Illegale Drogen (Cannabis, Amphetamine, Kokain)
- 319.000 konsumieren missbräuchlich mit gesundheitlichen Folgen.
  1032 Todesfälle im Jahr 2013.
Glücksspiel
- 450.000 Menschen haben ein problematisches Spielverhalten.
Essstörungen
- Mehr als 1/5 aller Jugendlichen haben ein gestörtes Essverhalten.
Computer/Internet
- Etwa 560.000 der 14-16 Jährigen in Deutschland sind internetabhängig und 2,5 von ihnen nutzen das Internet auf problematische Weise. Dies besagt die erste bundesweite Studie zur Internetabhängigkeit (PINTA). (Siehe Drogenbeauftragte Bundesregierung 2012).

( Daten und Fakten siehe Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren)

Leider gibt es derzeit keine geschlossene, in sich widerspruchsfreie Theorie der Suchtentstehung, die der Vielfalt und Komplexität menschlicher Lebensbedingungen gerecht werden könnte.  Dies erschwert die Arbeit der Suchtvorbeugung.  Außerdem kann Sucht und süchtiges Verhalten in unserer Gesellschaft mit schulischen Mitteln nur sehr begrenzt beeinflusst werden. Die Schule kann weder familiäre Defizite, mangelhafte Wohnbedingungen, fehlende Arbeitsplätze oder andere soziale Missstände ändern.

Plausible Hypothesen und konkrete Forschungsergebnisse gehen von folgendem Suchtursachenmodell aus:

Dieses Modell entspricht der Alltagserfahrung, dass es immer Menschen sind, die in einem bestimmten sozialen Kontext Substanzen konsumieren bzw. Verhaltensprobleme haben. So ist davon auszugehen, dass es sich sehr selten um eine rein individuell getroffenen Entscheidung handelt, wenn beispielsweise Jugendliche zu einer Droge greifen, sondern, dass immer soziale und gesellschaftliche Komponenten mit im Spiel sind.
Hieraus ergibt sich für die Gesellschaft die Aufgabe, junge Menschen so in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern, dass sie in ihrem Leben selbstbestimmt, sozial verantwortlich und überlegt mit den „Alltagsdrogen“(Tabak, Alkohol, Medikamente...) umgehen und  „Nein“  zu illegalen Drogen wie Cannabis, Ecstasy etc. sagen  können.
Suchtvorbeugung muss also einen Beitrag zur Förderung und Entwicklung von Lebenskompetenz leisten. Dazu zählt die Förderung von Selbst- Sozial- und Sachkompetenz.
Die Fachstelle für Suchtvorbeugung Bielefeld bezeichnet dies als einen Aufbau von folgenden Schutzfaktoren:
Selbstbewusstsein, Selbstachtung, Selbstvertrauen, Ich-Stärke
Ich bin wichtig/wertvoll. Ich vertraue mir. Ich kann „Nein“ sagen.
Selbstkontrolle, Frustrationstoleranz
Ich muss nicht alles sofort haben. Ich kann mit Grenzen umgehen.
Konfliktfähigkeit, Belastbarkeit
Ich stelle mich meinen Problemen. Ich lasse mich nicht unterkriegen.
Gesundheitsbewusstsein
Ich gehe sorgsam mit mir um. Mein Körper ist mir wichtig. Wissen um schädigende Substanzen.
Soziale Kontaktfähigkeit, Gruppenzugehörigkeit
Ich kann Kontakte knüpfen, vertiefen, auch beenden. Ich kann andere durch Einfühlen verstehen. Andere Menschen sind mir wichtig.
Genuss- und Erlebnisfähigkeit, Lebensfreude, Träume
Ich kann den Augenblick genießen und die Seele baumeln lassen. Es gibt viel Schönes und Interessantes auf der Welt zu entdecken.
Umgang mit Gefühlen
Ich nehme meine Gefühle wahr, kann sie zulassen und ausleben. Ich kann mit meinen Stimmungen umgehen.
Zukunftsperspektive, Sinn, Wert
Leben lohnt sich und macht Sinn. Ich weiß, wofür ich mich einsetze. Es gibt etwas, woran ich mich halten kann.

Deutlich wird, dass bei diesem Aufbau von Schutzfaktoren besonders Eltern und Familie gefordert sind.  Die Schule kann hier nur sehr bedingt Hilfestellung leisten. Wir müssen  uns im Klaren darüber sein, dass wir in der Schule häufig selbst zur Entstehung von abweichendem Verhalten beitragen.  Deshalb muss die Schule  sich also bemühen, Angst auslösende Faktoren zu vermeiden und sozialen Druck zu mindern sowie eine Atmosphäre der Freundlichkeit, der Akzeptanz, der Aufrichtigkeit zu schaffen und ein Lernklima zu entwickeln, in dem Kreativität, Fantasie und Freude am gemeinsamen Arbeiten, Lernen und Feiern vorherrschen.
Zu begrüßen ist in diesem Zusammenhang das Verbot von Alkohol und Nikotin an öffentlichen Schulen. Denn die Einschränkung der Verfügbarkeit führt zur Einschränkung des Konsums, zumal viele Jugendliche z.B. ihre erste Zigarette in der Schule rauchen.

Suchtvorbeugung am WGE

Suchtvorbeugung darf kein singuläres Ereignis sein sondern muss eingebettet sein in ein Konzept des sozialen Lernens und der Gesundheitserziehung, an dem alle Fächer beteiligt sind.  Hieran arbeiten wir. Etliche Bausteine gibt es schon (  Orientierungsstunde in Klasse 5, Rödinghausen, Unterrichtsreihen in Biologie zum Thema Gesundheit, Teilnahme am Nichtraucherwettbewerb „Be smart, don’t start“, ... siehe auch Schulprogramm).

Seit über fünfzehn Jahren führen wir mit der Fachstelle für Suchtvorbeugung im Diakonischen Werk Herford e.V. in der 8. Klasse zwei Suchtvorbeugungstage im Jugendzentrum Kleinbahnhof durch.
Hierzu gehört ein Elternabend, der ein wichtiger Baustein ist. Auch Eltern müssen gestärkt werden Grenzen zu setzen und „Nein“ zu sagen. Neben Informationen zu verschiedenen Substanzen werden die Eltern aufgefordert Netzwerke zu bilden zwecks Absprachen, die z.B. den Umgang mit Nikotin und Alkohol auf heimischen Partys betreffen. Nur so kann vermieden werden, dass Schülerinnen und Schüler Eltern gegeneinander ausspielen nach dem Motto: Die Eltern von XY erlauben das ... aber! Auch Eltern muss klar werden: Je länger der Konsum suchtgefährdender Substanzen hinausgezögert werden kann, je geringer ist die Gefahr der späteren Abhängigkeit. Kaum ein Jugendlicher beginnt erst im Alter von 18 Jahren mit dem Rauchen!
 Das Thema „Sucht“ wird im Religionsunterricht unter Berücksichtigung der oben dargelegten Schutzfaktoren vor und nachbereitet. Die Einbeziehung von außerschulischen Experten ist deshalb sinnvoll, da die konkreten Erfahrungen, Probleme und Konflikte der Schülerinnen und Schüler  im Mittelpunkt stehen müssen. Dafür sind  Vertrautheit und Offenheit notwendig, die in der Schule u.a. aus folgenden Gründen  nicht entsprechend gegeben sind:
- Die Lehrerinnen und Lehrer werden in erster Linie als Autoritäts- und Bewertungspersonen gesehen.
- Die Lerngruppen sind zu groß.
- Der Unterrichtsstundenrhythmus wirkt einschränkend.
Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von der Fachstelle gelingt es schneller die notwendige Offenheit herzustellen, da sie nichts mit der Institution Schule zu tun haben. Die Doppelbesetzung macht es möglich, die Klasse phasenweise in Mädchen- und Jungengruppen einzuteilen.  Diese Gruppenaufteilung ist unbedingt notwendig, da Mädchen und Jungen in diesem Alter unterschiedliche Zugänge zu dem Thema haben und oft nicht besonders vertrauensvoll miteinander umgehen.
Neben den Gesprächsgruppen wird spielerisch gearbeitet. Spiele wurden so konzipiert, dass Infos zum Thema Drogen in spannender und unterhaltsamer Weise an Jugendliche weitergegeben werden. Im Fordergrund steht Spaß, Spannung und Freude zu erleben. Jeder einzelne kann sich mit seinen Fähigkeiten einbringen, indem er vielleicht ein guter Schauspieler ist, gut pantomimisch etwas darstellen kann, gut raten kann, wortgewandt ist oder sein Wissen über Drogen vermittelt.
Hinzu kommen Kommunikations- und Kooperationsspiele. Die Schülerinnen und Schüler lernen gemeinsam Probleme zu lösen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Suchtvorbeugung soll und muss Spaß machen! So zitiert die Fachstelle Herford Thomas Sydenham (1650) : „Die Ankunft eines Clowns ist für die Gesundheit einer Stadt wertvoller als dreißig mit Medikamenten beladene Esel“.
Suchtvorbeugung soll Lust auf Leben machen. Nur wer Spaß am Leben hat und Möglichkeiten der Selbstverwirklichung sieht, kann sein Leben sinnvoll gestalten und selbstbewusst auf Gefährdungen reagieren.

Nähere Informationen zur Arbeit der Fachstelle für Suchtvorbeugung unter: www.suchtvorbeugung-herford.de
Direkte Kontaktaufnahme ist online möglich bei:
uwe.holdmann@dw-herford.de
eva.liesche@dw-herford.de
bianca.gaertner@dw-herford.de